Zitelmanns "Berliner Appell" nach Will Trempers "Indiana Jones im Ghetto von Krakau"

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Rechte Unterschriften Sammlungen - sog. "Appelle" "Manifeste"


der "Berliner Appell"

Süddeutsche Zeitung, Do 03.03.1994, Seite 17

Schindlers Liste
Feuilleton
Kronzeuge Himmler
Der neue Relativismus der geistigen Welt: Schindler, Spielberg und die Zumutung des Erinnerns

Wer ist Will Tremper ?
Bekannt wurde der Erzähler schmutziger Geschichten als Drehbuchautor (Die Halbstarken),
Filmemacher (Callgirl) und Enthüllungsjournalist.
Bei der Zeit (lange her), dem Stern, Jasmin, der Bunten verdiente er sein Brot.
Neuerdings schreibt er für die Welt, und nun für die Geistige Welt.
Zur Deutschland-Premiere von Steven Spielbergs Film gab die Redaktion dem ehemaligen Genialikus
Raum für Anmerkungen zu Schindlers Liste - für ein Stück Zeitprosa, wie es nicht besser passen könnte
in die augenblickliche Stimmung kollektiver Reinwaschung durch Vergessen.

Nein, niemand sage, Tremper kennte sich nicht aus. Von Oskar Schindler hat er, erfährt der Leser,
schon sehr viel früher gehört als 'jenes bebrillte Bürschchen', das sich seines Judentums damals in Beverly Hills
noch gar nicht bewußt war - und heute damit hausieren geht und Kasse macht,soll der Leser wohl ergänzen.
Und Geschichten über die Judenverfolgung kannte Old Will schon als Junge - 'zu viele,
um mich als Deutscher im Kollektiv schuldig zu fühlen'.

Zu viele? Es sind Millionen Geschichten, und jede einzelne ist es wert, daß sie erzählt werde.
Aber schon der Jüngling T. empfand es ja als 'Zumutung', 'sich nachträglich mit Blut beflecken zu lassen';
da ging es ihm, stellt er, vermutlich leider korrekt, fest, 'wie fast allen Deutschen,
die erst nach 1945 von Auschwitz hörten' - und heute nicht mehr davon hören wollen.
Und wahrscheinlich hat Tremper auch recht mit seiner Verknüpfung von Opferzahl und Schuldgefühl.
Daß beide im umgekehrt proportionalen Verhältnis zueinander stehen, wußte schon Eichmann:
Hundert Tote sind eine Katastrophe, Millionen sind Statistik.

Es gibt Einwände gegen Spielbergs Film: daß die Geschichte, die er erzählt, nicht die ganze ist (wie sollte sie?);
daß er mit seiner Kamera auch durch die Tür geht, die der Gaskammer, aus der nur ein Filmbesucher wieder lebend herauskommt; daß er leichtfertig spiele mit dem antisemitischen Klischee des immer listigen, handelnden Juden .

Was aber ärgert Tremper an Spielbergs Film? Außer, daß es dem 'Indiana Jones im Ghetto von Krakau' offensichtlich gelungen ist, eine Geschichte - nur eine von vielen, die kein Happy End hatten - so zu erzählen,
daß ähnlich wie bei der Holocaust-Serie Mitgefühl zum Transportmittel von Erkenntnis wird - ein Effekt,
der schnell verpufft, wie man weiß.
Tremper vermißt historische Korrektheit und zählt auf: Unmöglich sei es gewesen,
daß sich ein SS-Mann 'eine Jüdin ins Bett holte' - eindeutiger Verstoß gegen das Rassegesetz, tadelt Tremper;
und so blutrünstig, wie von Spielberg gezeigt, könne die Räumung des Krakauer Ghettos nicht gewesen sein.

Und daß es korrupte SS-Leute gegeben hat? Da stand schon, Tremper kennt schließlich seine Deutschen, Himmlers Befehl dagegen.
Zu Gefühllosigkeit waren sie 'verdonnert', die SS-Führer, denen Himmler in Posen sogar eine Standpauke halten mußte,
so nervenzerrüttet waren sie ob ihrer mörderischen Pflicht.
Und gegen Plünderungen und Durchstechereien gab es schließlich fliegende Standgerichte .
Außerdem: die 'Vergasung von 1,3 Millionen Menschen in Auschwitz erforderte äußerste Disziplin - und viele, viele polnische und ukrainische Helfer für die Schmutzarbeit'.

O ja, sie blieben sauber; die Deutschen mordeten ordentlich. Ließen sich nicht anstecken vom jüdischen Bazillus der Korruption.
Hielten anständig durch, wie es Himmler in der berüchtigen Posener Rede von 1943 gefordert hatte .
Und so richtig grausam, wie Spielberg den Kommandanten Göth schildert, waren ja am Ende vielleicht doch nur die vielen, vielen Helfer aus den besetzten Ländern?

Es ist schon bemerkenswert, wie Tremper mit dem Kronzeugen Himmler und in dessen Logik, für die Geistige Welt das Bild vom anständigen Deutschen blankputzt.
In einer verqueren Beweisführung, in der das Gräßlichste, die Leidenschaftslosigkeit
des bürokratisch organisierten Fließbandmords, am Ende noch zum Tugend-Argument gegen den gewöhnlichen,
den privaten Sadismus wird.

Immerhin, wer Himmler so ausführlich zitiert, leugnet zumindest nicht den
historischen Fakt der Vernichtung des europäischen Judentums.
Oder doch wenigstens nur ein bißchen. Das Gedächtnis schließlich hatte, weiß Tremper,
35 Jahre nach Kriegsende, als Thomas Keneally für sein Buch recherchierte,
doch schon ein bißchen nachgelassen bei Schindlers Juden, wenn sie nicht überhaupt so jung gewesen waren,
daß sie 'kaum begriffen haben dürften, was ihnen geschah'.
Daß 'sie ihre Leidenzeit in Krakau hier und da etwas dramatisierten' - Tremper, großherzig, kann es ihnen nicht verübeln.
Doch infam spielt er jene, die sich erinnerten, aus gegen jene, die das Grauen von Auschwitz, Treblinka und Theresienstadt
verdrängten, die nicht darüber sprechen wollen und können.
Das also ist es: Schweigend hätte man ihn gern, den Juden, denn das Schweigen der einen begünstigt das Verschweigen der anderen.

ELISABETH BAUSCHMID

DIE ZEIT, 11.03.1994

derzeit noch mit ganz vielen Fehler in der Textwiedergabe
Redakteure der "Welt" protestieren gegen Rechtsruck
Wenn Zitelmann zuschlägt
DIE ZEIT, Ausgabe 11, 1994
Margit Gerste | © DIE ZEIT, 11.03.1994 Nr. 11
Von Margit Gerste
http://www.zeit.de/1994/11/wenn-zittelmann-zuschlaegt
eigenartigerweise wurde die url geändert
die alte mit richtiger Schreibweise, funktioniert nicht mehr
http://www.zeit.de/1994/11/Wenn-Zitelmann-zuschlaegt

Süddeutsche Zeitung, Sa 12.03.1994, Seite 17

Feuilleton
Revolte gegen Rechtsausleger
'Welt'-Redakteure attackieren Linie des eigenen Blatts

Auslöser, aber nicht Ursache der Krise war eine Filmkritik.
In 'Indiana Jones im Ghetto von Krakau' (Die Welt vom 28. 2. ) hatte sich Will Tremper 'Schindlers Liste' vorgenommen
und Merkwürdiges niedergeschrieben: Die Krakauer Juden hätten 'ihre Leidenszeit hier und da etwas dramatisiert'.
Oder: 'Die Räumung des Ghettos kann so blutrünstig nicht verlaufen sein'.
Überhaupt hätte die filmische Nachstellung der Liquidierung etwas 'Widerwärtiges' an sich - so als sei die Darstellung das Verbrechen und nicht das Verbrechen selbst.

In der Welt-Redaktion begannen Unterschriften-Listen zu kursieren; an die 50 Redakteure haben mit ihrem Namen gegen den 'Rechtsruck' des Blattes protestiert.
(Das Impressum weist für die Berliner Zentrale mehr als 80 Redakteure aus.)
Am Donnerstag kam es zu einer 'hochemotionalen' Redaktionsversammlung.
Im Feuer standen drei Personen: der neue Chef der 'Geistigen Welt', Rainer Zitelmann,
der neue Ressortleiter Kultur, Heimo Schwilk, und der neue Kultur- Chefreporter Ulrich Schacht.

Der Vorwurf lautete 'Rechtsruck' und 'schlechtes Betriebsklima'.
Von Zitelmann, der seit Dezember im Amt ist, sagen Befürworter (vorsichtig), daß er den 'Nationalsozialismus historisieren' möchte.
Er plädiere für die 'Neue Unbefangenheit' und für einen 'deutschen Kurs'.
Ein anderer Redakteur sagt, daß Zitelmann systematisch versuche, den 'rechten Flügel' zu stärken.
Diesen Trend zu konterkarieren sei der eigentliche Grund für eine in der 'Welt-Geschichte einmaligen Solidarisierung' gewesen.

Ein Teilnehmer berichtet, daß Zitelmann in der Versammlung versucht habe,
dem neuen Redaktionsdirektor Manfred Geist die Verantwortung für den Tremper-Artikel zuzuschieben.
Der - so wird Zitelmann zitiert - kannte den Text und 'ließ ihn passieren.'
Geist aber soll gesagt haben, daß der Artikel nicht erschienen wäre, wenn er ihn gesehen hätte.
Er habe Zitelman in der Versammlung eine 'Altlast' genannt, die er bei seinem Antritt im Januar habe übernehmen müssen.

Zitelmann, so wird nun behauptet, sei mit 'Segen von ganz oben' eingestellt worden.
Doch habe sich der Springer- Vorstandsvorsitzende Günter Prinz am Dienstag mit Redakteuren getroffen
und dabei sowohl das Tremper-Stück als auch die 'Häufung rechter Geschichten' gegeißelt.
Seinerseits will Redaktionsdirektor Geist mit den drei Angegriffenen 'reden', aber verhindern, daß gegen sie ein 'Tribunal' veranstaltet werde.
Die Welt wolle keine konservative Zeitung sein, sondern ein allseits offenes 'Erlebnisblatt'.

Einige Redaktionsmitglieder meinen, daß der Richtungsstreit nicht von persönlichen und Kompetenz-Querelen getrennt werden könne.
So sollte Kulturchef Schwilk in Abwesenheit von Geist (der sich auch um die Welt am Sonntag kümmert) als Geist-Stellvertreter fungieren.
Doch gibt es neben dem Redaktionsdirektor Manfred Geist (an der Spitze des Impressums)
noch zwei Chefredakteure (Peter Gillies und Gerhard Mumme),
dazu den Stellvertreter der beiden (Peter Philipps)
und schließlich drei stellvertretende Chefredakteure.

SZ

Der Spiegel, Mo 14.03.1994 (Heft 11) S. 224

Presse
Schlamm und Berg

Die Welt-Redaktion streitet um den politischen Kurs des Springer-Blattes.

In der Redaktion der Springer-Zeitung Die Welt wehren sich rund 50 Mitarbeiter mit Unterschriftenlisten, Brandbriefen und Appellen an die Verlagsleitung gegen den Ressortleiter "Geistige Welt", Rainer Zitelmann, 36.
Der Historiker (Doktorarbeit: "Hitler - Selbstverständnis eines Revolutionärs"), seit 1. Dezember 1993 im Amt,
bugsiert das Blatt nach Ansicht der Kollegen in Republikaner-Nähe.

Scharfmacher Zitelmann beklagt, viele Konservative seien "neurotisch, ängstlich, feige"
und betrieben "Appeasement gegenüber den Linken".
Die Nazi-Machtergreifung und die Apo-Revolte ("Doppeltrauma der Niederlagen von 1933 und 1968")
hätten das bürgerliche Lager geschwächt, glaubt der Journalist,
einst Schüler des Berliner Professors Ernst Nolte und Cheflektor des Ullstein Verlags.

Assistiert vom neuen Feuilletonchef Heimo Schwilk und Kulturreporter Ulrich Schacht, beide vorher bei der Welt am Sonntag,
eifert Zitelmann gegen den liberalen Schriftsteller Rolf Hochhuth, 62, der als Welt-Kulturkorrespondent jeden Samstag Literaten vorstellt.
Eine Folge über Martin Walser blieb ungedruckt; Schwilk kündigte an, künftig auch auf Hochhuths Theaterkritiken verzichten zu wollen.

Hochhuth wirft den Welt-Rechten "Imponiergehabe" und "blöde Besserwisserei" vor.
Als der Dramatiker Lobbriefe des Ex-Herausgebers Claus Jacobi erwähnte, habe ihm Schwilk,
so jedenfalls Hochhuth in einem Brief an Redaktionsdirektor Manfred Geist, beschieden:
"Kommen Sie uns doch nicht dauernd mit diesen alten Männern, die interessieren hier ebensowenig wie die zwei noch vorläufigen Chefredakteure."
Zitelmann bestreitet den Affront.

Zur Deutschland-Premiere von Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" ließ Zitelmann den Autor Will Tremper loslegen:
In der Regiekunst des Amerikaners sei "etwas Widerwärtiges", die dargestellte "wildwestartige Räumung" des Ghettos von Krakau
könne so blutrünstig nicht verlaufen sein; zum Beleg zitierte Tremper aus Reden des SS-Führers Heinrich Himmler.

Der Rechtsdrall stört den Versuch des Verlages, der Welt (Jahresverlust: 70 Millionen Mark) im Wahljahr
mehr Leser in der bürgerlichen Mitte zu verschaffen.
Etliche Korrespondenten beklagen in einem Schreiben an den Verlag "zunehmende Verquickung" mit der rechtslastigen Jungen Freiheit (JF),
die 1986 im Dunstkreis der Republikaner entstand und selbst in der Welt als "Zeitung in der Grauzone" charakterisiert wurde.

Geradezu hymnisch feiert das Objekt Zitelmanns zahlreiche Bücher. Welt-Korrespondent Gustaf Ströhm, ein Osteuropabeobachter,
und Ex-Welt-Hardliner Günter Zehm ("Pankraz") erscheinen gern in dem Rechtsaußen-Blatt.

Zu den Neo-Rechten in der Welt habe Redaktionsdirektor Geist lange geschwiegen, wie Insider berichten.
Springer-Vorstandschef Günter Prinz betrieb Krisenmanagement, Hochhuths Rausschmiß wurde zurückgenommen.
Zitelmann selbst bewertete die Aufregung um seine Person im Kollegenkreis als "Aufstand des Schlamms gegen den Berg".

Textergänzung:

Bildunterschriften:
Neo-Rechter Zitelmann "Neurotisch, ängstlich, feige"

14.03.1994
Film
GRENZE FÜR GREUEL
Staatsakte mit Präsidenten, auf Wochen ausverkaufte Kinos, erschütterte Besucher, Kritik aus konträren Richtungen: Steven Spielbergs Holocaust-Film "Schindlers Liste" ist ein Weltereignis.
Von Schindler gerettete Juden brechen ihr Schweigen und erinnern sich - besonders eindringlich, in einem Buch, die Polin Müller-Madej.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13686148.html


Redaktions-Revolte wider den Rechtsruck bei der WELT

Anton Maegerle, Ersterscheinung Jüdische Rundschau (Schweiz) v. 17. 3. 94, S. 11
http://www.nadir.org/nadir/periodika/antifa_nachrichten/an-94-08.txt

Über den künftigen Kurs der Tageszeitung DIE WELT (Jahresverlust: 70 Millionen Mark) ist in der Redaktion ein heftiger Streit entbrannt.
Den offenen Anlaß dazu lieferte der Autor und Filmregisseur Will Tremper.
Dieser besprach am 28. Februar in seiner Filmkritik "Indiana Jones im Ghetto von Krakau" den Steven-Spielberg-Film "Schindlers Liste" und ernannte den SS-Reichsführer Heinrich Himmler zum wertfreien Zeitzeugen.
Trempers Aussagen wie "Die Räumung des Ghettos kann so blutrünstig nicht verlaufen sein" oder die Krakauer Juden hätten "ihre Leidenszeit hier und da etwas dramatisiert" brachten in der WELT-Redaktion das schwelende Pulverfaß zur Explosion.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen der neue Chef der "Geistigen Welt", Rainer Zitelmann, und die beiden ehemaligen Mitarbeiter der "Welt am Sonntag", der neue WELT- Ressortleiter Kultur, Heimo Schwilk, und der neue WELT-Kultur-Chefreporter Ulrich Schacht.

Kopf der rechtskonservativen Verschwörung im Redaktionslager der WELT ist Rainer Zitelmann (37), dem es innerhalb von wenigen Monaten gelungen ist, führende revisionistische Historiker und Kritiker der "deutschen Westbindung" wie Karlheinz Weißmann, Mitglied der "Deutschen Hochschulgilde", um sich zu versammeln. Vor seiner Tätigkeit bei der WELT war der Historiker Zitelmann (Doktorarbeit: "Hitler-Selbstverständnis eines Revolutionärs"), den Karl Richter, Chefideologe der neonazistischen [["Deutschen Liga für Volk und Heimat"]] (DL), im März 1992 in "Nation + Europa", dem bedeutendsten ideenpolitischen Organ bundesdeutscher Rechtsextremisten als "talentierten Nachwuchshistoriker" bezeichnet hatte, Cheflektor der Verlage Ullstein und Propyläen, die im Besitz von Herbert Fleissner sind.
Fleissner, Alleingeschäftsführer der drittgrößten Buchverlagsgruppe (nach Bertelsmann und Holtzbrinck) in der Bundesrepublik, Ullstein-Langen-Müller-Herbig, ist Mitglied des revanchistischen "Witiko-Bundes" und Träger der Plakette für Verdienste um den deutschen Osten und das Selbstbestimmungsrecht, die vom "Bund der Vertriebenen" (BdV) gestiftet wird.
Fleissner gehört auch zum engsten Unterstützerkreis der rechtintellektuellen "Jungen Freiheit" (JF), die im Januar ihre bisherige Erscheinungsweise als Monatszeitung wechselte und nun wöchentlich ihre LeserInnen beglückt.

Kein Unbekannter im rechtskonservativen Lager ist Heimo Schwilk (42), langjähriger Autor in der Zeitschrift CRITICON, die sich selbst als "Kristallisationspunkt für konservative Intelligenz jenseits des niedergehenden Milieus der Unionsparteien" definiert und gemeinsam mit der JF an der Rekonstruktion eines "Konservatismus" rechts von CDU / CSU arbeitet.

Ulrich Schacht (42) wiederum, der 1976 nach mehrjähriger Haft in der DDR in die Bundesrepublik kam, ist Buchautor ("Mein Wismar") in der von Schwilk, einst Redaktionsmitglied der rechtsextremen Postille "student", herausgegebenen Reihe "Autoren sehen ihre Stadt" bei Ullstein.

Süddeutsche Zeitung, Mi 23.03.1994, Seite 15

Feuilleton
Rechter Höhenkoller

Den Teufel werden wir tun und uns in die Redaktionsquerelen einer anderen Zeitung einmischen; das gälte selbst dann,
wenn die Zeitung von größerer Bedeutung für das geistige Leben der Republik wäre.
Stutzig aber darf uns machen, daß andere tun, was wir nicht tun, und wie sie es tun.
Was um Himmels willen bringt Menschen wie den Adenauerforscher Hans-Peter Schwarz, den Publizisten Arnulf Baring,
den Chaos-Spezialisten Günter Nenning, den sozialdemokratischen Parteischulvorsteher Tilman Fichter,
den Rostocker Justizminister Herbert Helmrich, den Historiker Karl Othmar Freiherr von Aretin und viele andere -
was bringt solche Menschen dazu, eine öffentliche Ehrenerklärung für jemanden abzugeben, dessen Ehre
bis dahin gar nicht Gegenstand einer öffentlichen Auseinandersetzung gewesen war?

Daß Rainer Zitelmann als Chef des 'Geistige Welt' genannten Feuilletons der Welt einen in seiner historischen Wahrnehmung
offenkundig getrübten Schreiber dazu ermunterte, aus Anlaß des Films 'Schindlers Liste' einige verlogene Behauptungen zu Papier zu bringen:
Das kann man als Betriebsunfall werten oder als kühl kalkulierten (und unbestreitbar gelungenen) Versuch,
das eigene Blatt wenn schon sonst nirgendhin, so doch wenigstens ins Gerede zu bringen, oder aber als Anbiederung an die neue (neue?) Rechte.
Dies haben sechzig Welt-Redakteure ihrem Zitelmann vorgeworfen; und Zitelmann hat, wie man's von einem deutschen Manne seiner Couleur erwarten durfte,
diese Erhebung als Aufstand des 'Schlamms' gegen den 'Berg' bezeichnet. Um wessen Ehre geht es eigentlich ?

Wir bezweifeln ja nicht, daß Zitelmann, wie sein Ehrenkränzchen nun kundtut, 'seine ganze politische Erfahrung zur kompromißlosen Verteidigung
der Demokratie gegen Angriffe von Links- und Rechtsradikalismus eingesetzt hat'.
Nur eben: Es kann einer seine ganze politische Erfahrung einsetzen, und setzt doch fast nichts ein dabei.
Und was vor allem den mutigen Kampf des Rainer Zitelmann wider den Rechtsradikalismus angeht, so hat er selbst dessen Stoßrichtung
sehr genau kenntlich gemacht, als er seine Gegner in der Welt-Redaktion mit dem vernichtenden Epitheton 'Nischenkonservative' bedachte.
Unschwer läßt sich daraus die Parole ableiten, mit der Zitelmann sich und seinesgleichen in Zukunft Mut zu machen gedenkt:
Heraus aus der Nische !

Nun muß so eine Losung ja nicht unbedingt politisch verstanden werden.
Sie eignet sich generell für Leute, die seit langem keiner mehr ernst nimmt.
Daß Zitelmann sie ernst nahm, hat ihnen so lange nichts genützt, wie auch Zitelmann nicht ernst genommen wurde.
Nun aber, da das Mäuschen kreißte und sich selbst als Berg gebar, packt sie allesamt der Höhenkoller.

rast


3.Mai Washington Post "Germany Views Its Past Through 'Schindler's List' "

By Rick Atkinson
Washington Post Staff Writer
May 3, 1993 (DAS JAHR SCHEINT FALSCH WIEDERGEGEBEN)
http://www.washingtonpost.com/wp-srv/style/longterm/movies/review97/germany.htm


Süddeutsche Zeitung, Fr 06.05.1994

Seite 13
Die Welt; Hamburg

Feuilleton
'Geistige Welt' sucht nach einem neuen Chef

Nach Berichten aus der Berliner Welt- Redaktion
soll der umstrittene Ressort- Chef der 'Geistigen Welt' Rainer Zitelmann seines Amtes enthoben werden.
Mitte März war es in der Redaktion zu einem Eklat gekommen;
Anlaß waren eine Filmkritik von Schindlers Liste aus der Feder von Will Tremper sowie andere Beiträge,
die sich für eine Mehrheit in der Redaktion zu einem 'Rechtsruck' summierten,
im Widerspruch zur traditionellen Linie der Zeitung.
Manfred Geist, im Impressum als 'Redaktionsdirektor' ausgewiesen,
soll nun die Konsequenzen aus dem Widerstand in der Welt gezogen haben
und auf der Suche nach einem neuen Ressortchef für die 'Geistige Welt' sein.
Zittelman halte sich aus Krankheitsgründen zu Hause auf.
Inzwischen werde das Ressort kommissarisch von Jost Nolte, einem Autor des Springer-Verlages, verwaltet.
Anscheinend aber will sich der Verlag nicht von Zitelmann trennen; wie es heißt, werde für ihn eine 'Ersatzlösung' im Hause gesucht.

SZ Denkmal für Europas ermordete Juden

In Berlin ist jetzt der künstlerische Wettbewerb zur Errichtung des zentralen deutschen 'Denkmals für die ermordeten Juden Europas' ausgeschrieben worden. Ausgelobt wird der auf deutsche Teilnehmer begrenzte künstlerische Wettbewerb vom Berliner Senat, der Bundesregierung
und dem Förderkreis zur Errichtung
des Denkmals hervorgegangen ist.
Das Denkmal, das in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tores auf einem dem Bund gehörenden Gelände entstehen soll,
will aller in Europa ermordeten Juden gedenken.
Die beiden Kuratoriumsmitglieder Edzard Reuter und Marcus Bierich haben auf einer Pressekonferenz die Bundesbürger dazu aufgerufen,
den Bau der Gedenkstätte durch Spenden zu unterstützen.
Eine breite Beteiligung der Bevölkerung, so meinte Edzard Reuter, sei als Herausforderung an die Zukunft eine Aufgabe für die ganze deutsche Nation.
Finanziert werden soll das auf 16 Millionen Mark geschätzte Projekt zur Hälfte aus Spenden, je einem Viertel aus Bundes- und Berliner Landesmitteln.

mh

"Die Zeit":
Schwenken die Liberalen nach rechts?
Für den starken Staat

von Gunter Hofmann
4. November 1994

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Fr 23. Dezember 1994 S. 1 Leitartikel Systematische Verlogenheit Von Eckhard Fuhr

Kontroversen über den Holocaust im Film. Dissertation 2001

Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades
der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultäten
der Georg-August-Universität zu Göttingen
vorgelegt von Thiele, Martina aus Göttingen Göttingen 2001
http://webdoc.sub.gwdg.de/diss/2001/thiele/thiele.pdf