Geschichtsrevisionistische Veranstaltung in Münchner Hotel für Sonntag 8. Oktober 2006 geplant

Aus Inrur

Geschichtsrevisionismus

München

Geschichtsrevisionistische Veranstaltung in Münchner Hotel für Sonntag 8. Oktober 2006 geplant

Donnerstag, den 05. Oktober 2006 um 11:28 Uhr

Nachdem Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet planen, mit einem Aufmarsch am 14. Oktober 2006 in Nürnberg eine "Revision der Nürnberger Prozesse" zu fordern, hat sich die extrem rechte Szene in München jetzt ebenfalls des Themas "Nürnberger Prozesse" angenommen.
Dazu will sie bereits am kommenden Sonntag, den 8. Oktober 2006, von 14 bis 17.15 Uhr im Münchner Hotel "Eden-Wolff" in der Arnulfstraße nahe des Hauptbahnhofes eine revisionistische Großveranstaltung durchführen.
Mit der Möglichkeit, im Hotel "Eden-Wolff" Veranstaltungen abhalten zu können, verfügt die Münchner Neonaziszene über eine wichtige Infrastruktur für Organisierung und Propagandaaktivitäten.
Im Februar 2005 fand hier beispielsweise die extrem rechte "Winterakademie" mit dem Geschichtsrevisionisten Gerd Schultze-Rhonhof statt.

Am kommenden Sonntag soll nach einem Grußwort des extrem rechten Publizisten Gert Sudholt (Inning am Ammersee) der Film "Death by hanging - Tod durch den Strang" von Dr. Olaf Rose und Prof. Michael Vogt gezeigt werden. Die Veranstalter sind bekannte Gruppen und Einzelpersonen aus der extremen Rechten:

Der sogenannte "kulturpolitische Arbeitskreis München" (KuPo) führt bereits seit einigen Jahren regelmäßig neonazistische Veranstaltungen durch,
beispielsweise mit dem Altnazi Hajo Herrmann (Düsseldorf) oder dem extrem rechten Historiker Walter Post (München),
der häufig für die NPD aktiv ist.
Erst Mitte August 2006 fand im "Weißen Bräuhaus" in München eine "KuPo"-Veranstaltung
mit Dr. Hans Meiser vom Redaktionsbeirat der extrem rechten Zeitschrift "Deutsche Geschichte" statt.

Der "Münchner Bürgerverein e. V." (MBV) organisiert bereits seit Jahrzehnten regelmäßig neonazistische Veranstaltungen,
beispielsweise am 15. Juni 1999 mit dem Schweizer Holocaustleugner Bernhard Schaub.
An den bisherigen Veranstaltungen und Mitgliederversammlungen nahmen bekannte Münchner Alt- und Neonazis teil,
z. B. war die "Stille-Hilfe"-Aktivistin Gudrun Burwitz im MBV aktiv.
Zuletzt referierte Walter Post (München) Ende September vor MBV-Mitgliedern in München.

Die Einladung und Durchführung der Veranstaltung steht unter der Regie des Münchners Carsten Beck. Der ehemalige "Stützpunkleiter München" der "Jungen Nationaldemokraten" (JN) betreibt heute von München aus den extrem rechten "Veritas-Versand", eingetragener Verantwortlicher für die Internet-Domain des Verlags ist wiederum der MBV-Vorsitzende Norman Winkler aus München. Carsten Beck ist auch Betreiber und Domain-Inhaber des rassistischen Weblogs der Münchner Naziszene ("Münchener Tagebuch"). Mit der neonazistischen Sammlungsbewegung "Pro München e. V." will Beck 2008 in München zu den Kommunalwahlen antreten.

Für diese Veranstaltung kooperiert Beck mit Gert Sudholt (Inning am Ammersee), dem Vizevorsitzenden der holocaustleugnenden "Gesellschaft für freie Publizistik (GfP)", der größten neonazistischen "kulturpolitischen" Vereinigung in der BRD. Sudholt ist Kopf der "Verlagsgesellschaft Berg" mit den extrem rechten Verlagen "Druffel" und "Vowinckel" sowie Herausgeber der Zeitschrift "Deutsche Geschichte". Zur Münchner Veranstaltung erschien ein Sonderheft dieser extrem rechten Publikation (die sich in der Darstellung als historisches Magazin tarnt) unter dem Titel "Tod durch Erhängen - Die Nürnberger Prozesse 1945/46 - Recht oder Rache". Zuletzt veranstaltete Gert Sudholt am 6. Mai 2006 für 400 Teilnehmer in München den neonazistischen Kongress "Wollte Adolf Hitler den Krieg?", bei dem die Kriegsschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg massiv geleugnet und revisionistische Propaganda verbreitet wurde.

Im Film "Death by hanging - Tod durch den Strang" wird gegen die "Nürnberger Prozesse" als "Instrument der Sieger" gehetzt und beleidigt von der "massiven Verletzung" "europäischer Rechtsprinzipien" und "Verfahrenstricks" schwadroniert. Neben der Nürnbergerin Kitta Wagner als "Augenzeugin", die auch am kommenden Sonntag in München referieren soll, kommen auf der DVD auch die ultrarechten Aktivisten Prof. Bernd Rabehl, Franz W. Seidler, Alexander von Stahl und Reinhard Günzel zu Wort.

Auch die Filmemacher sind vielfach einschlägig bekannt:

Der nordrhein-westfälische Historiker Dr. Olaf Rose, der von NPD und anderen Neonazis gefeiert wird, trat u. a. als Autor der neonazistischen Zeitschrift "Opposition", in Erscheinung, und gehört dem Redaktionsrat der "Deutschen Geschichte" an. Für den extrem rechten "Druffel"-Verlag von Gert Sudholt übersetzte er Bücher des Verschwörungstheoretikers Martin Allen.
Zusammen mit Prof. Michael Vogt erstellte er die NS-verherrlichende DVD-Dokumentationen "Geheimakte Heß".
Die Stadt Herne, wo Rose als "Stadtarchivar" gearbeitet hatte, warf ihn 2003 wegen seiner rechten Aktivitäten hinaus.
Bei der neonazistischen Großveranstaltung "Wollte Adolf Hitler den Krieg?" am 6. Mai diesen Jahres in München leitete Rose die Podiumsdiskussion.

Prof. Michael Vogt (freiberuflicher Dozent an der Macromedia Akademie der Medien, München) stammt aus der extrem rechten Münchner Burschenschaft Danubia.
Neben dem NS-verherrlichenden Film "Death by hanging - Tod durch den Strang" über die Nürnberger Prozesse
ist der "Medienwissenschaftler" auch für die NS-glorifizierende und bei extrem Rechten beliebte DVD "Geheimakte Heß" mitverantwortlich.

Was auf der neonazistischen Veranstaltung am Sonntag zu erwarten ist, lässt sich auch den Artikeln von Rose und Sudholt entnehmen.
Olaf Rose spricht von "blühender rechtsschöpfender Phantasie der 'Siegermächte'". Und Gert Sudholt nennt - ebenfalls im Sonderheft der "Deutschen Geschichte"
- die Prozesse gegen die nationalsozialistische Führung "Schauprozesse" und hetzt, es sei "Rechnung der Alliierten" gewesen,
dass mit den Verfahren das "deutsche Volk politisch am Boden gehalten",
"wirtschaftlich erpreßt und ihm das geistige Rückgrat gebrochen" werde.
Eine Umschreibung der Geschichte der "Nürnberger Prozesse", wie sie Neonazis propagieren, dient der Relativierung und Leugnung der deutschen Verbrechen und wird als politische Strategie eingesetzt.
Zitat Sudholt an gleicher Stelle: "Die Schatten von Nürnberg werden erst dann beseitigt sein, wenn die Reste alliierter Geschichtsschreibung getilgt und freie Forschung möglich ist".
Sudholt will daher einen "Sturm deutscher Selbstbefreiung " entwickeln, denn "in Deutschland hingegen, einem Land ohne tatsächliche Souveränität und unter dem Damoklesschwert der noch immer bestehenden Feindstaatenklauseln, ist eine Normalisierung der Verhältnisse wohl erst möglich, wenn auch dem volksverhetzenden Treiben etablierter Umerzieher und umerzogener Ewiggestriger ein Ende bereitet wird".

Uli Schumann, Sprecher des A.I.D.A.-Archivs: "Mit der Thematisierung der alliierten Prozesse als "Schauprozesse" und der offenen Positionierung für die in Nürnberg angeklagte NS-Führung glorifizieren die extreme Rechte in München erneut den Nationalsozialismus.
Es ist ein Skandal, dass das Münchner "Eden-Wolff"-Hotel am Hauptbahnhof seine Räume wieder für eine neonazistische Veranstaltung zur Verfügung stellt.
Jegliche Verherrlichung des Nationalsozialismus in München und anderswo muss unterbunden werden.
Jetzt sind die Stadt, die Münchner Zivilgesellschaft und antifaschistische Gruppen gefragt."

A.I.D.A. e. V.
5. Oktober 2006