"Strippenzieher und Mäzen" "Der Verleger Herbert Fleissner (CSU) zeigt wenig Scheu gegenüber extrem rechten Kreisen."

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Strippenzieher und Mäzen

Der Verleger Herbert Fleissner zeigt wenig Scheu gegenüber rechtsextremen Kreisen.
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Von Anton Maegerle
07.01.2010 - Der Verleger Herbert Fleissner zeigt wenig Scheu gegenüber rechtsextremen Kreisen.

In der neuen Monatszeitschrift "ZUERST!" aus dem Hause des Kieler Verlegers Dietmar Munier wirbt auf der Rückseite
ganzseitig die Verlags GmbH Signum und Amalthea (Sitz: Wien).
Geschäftsführer ist laut Domainabfrage der Münchner Verleger Herbert Fleissner (Jg. 1928).

Der gebürtige Egerländer unterhält seit Jahrzehnten Beziehungen zur extrem rechten Szene im deutsch-sprachigen Raum.
Szene-Kenner vermuten in dem Angehörigen der Innsbrucker Burschenschaft Suevia einen Mäzen und Strippenzieher der rechten Sache;
sei es als Unterstützer der „Jungen Freiheit“ (JF), Mitglied (seit 1957) und Spender des „Witikobundes“,
Gründungsmitglied von „Stimme der Mehrheit
,
angeblich zeitweiligen Sponsors der Deutschland-Bewegung
sowie Ideengeber des im Jahr 2000 erschienenen Machwerkes „Der Verfassungsschutz“ (Universitas)
von Hans-Helmuth Knütter und Stefan Winckler.
Anzeigen von Fleissners Verlagsimperium erschienen über Jahrzehnte hinweg
in mehreren rechtsextremen Zeitschriften, darunter auch in Deutschland in Geschichte und Gegenwart“ (DGG) aus dem "Grabert-Verlag".

Den Grundstein seines Unternehmens legte der Jurist Fleissner zu Beginn der 50er Jahre mit der Gründung des Bogen Verlags.
Der Bogen Verlag nahm sich besonders den Werken sudetendeutscher Dichter wie Wilhelm Pleyer an.
Pleyer war bis zu ihrem Verbot 1933 Gaugeschäftsführer der Deutschen Nationalpartei in der CSR
und später Redner bei NPD-Veranstaltungen.

Mitte der 80er Jahre fusionierte Fleissner sein Verlagsgeflecht
(unter anderem Bogen, Herbig, Müller und Amalteha) mit Ullstein und Propyläen.
Die Verbindung des nun drittgrößten bundesdeutschen Buch-Anbieters hielt bis 1996.
Ende 2004 zog sich Fleissner weitestgehend aus dem Geschäftsleben zurück.
Fleissners „eigentliche Lebensleistung“,
so Klaus Hornung, zeitweilig Präsident des "Studienzentrums Weikersheim(SZW)", in der JF,
„ist es wohl, dass aus seinem Spürsinn für Menschen, Autoren und Themen
ein publizistischer Ertrag und eine Autorengemeinschaft hervorgegangen sind, ohne die Deutschland schon längst vollständig dem ‘antifaschistischen’ Zeitgeist anheimgefallen wäre“.
So brachte Fleissner fast sämtliche Werke von Joachim Fernau,
vormals SS-Obersturmführer im SS-Kriegsberichterzug der 1. SS-Panzerdivision „Leibstandarte SS Adolf Hitler“
, heraus.
In seiner Grabesrede auf Fernau, der der Kriegsgeneration noch heute als Verfasser eines Sieg verheißenden Durchhalte-Artikels aus dem August 1944 bekannt ist,
bezeichnete Fleissner diesen als „großen Geist“.
Ein Forum bot Fleissner in seinem Verlagsgeflecht auch Autoren wie
David Irving, Franz Schönhuber, Armin Mohler, Ernst Nolte Hans-Ulrich Rudel und Alfred Schickel.
Mohler konnte bei Fleissner unverblümt Auschwitz in Frage stellen.
In „Der Nasenring“ befand Mohler über den pseudo-wissenschaftlichen „Leuchter-Report“,
er lege „die Vermutung nahe, dass hier nachträglich und auf recht dilettantische Weise Vergangenheitsanlagen simuliert wurden“.
An Mohlers Beerdigung im Jahr 2003 nahm auch Fleissner teil.

Fleissners rechtslastige Aktivitäten gerieten 2003 sowohl in Deutschland als auch in Österreich verstärkt in die Schlagzeilen.
Damals wurde bekannt, dass Fleissner zehn Prozent Anteile an der extrem rechten österreichischen Wochenzeitung Zur Zeit hält.
Im gleichen Jahr unterschrieb das CSU-Mitglied Fleissner den aus JF-Kreisen initiierten Appell „Kritische Solidarität mit Martin Hohmann“.
2004 gratulierte Fleissner der JF zum zehnjährigen Geburtstag als Wochenzeitung.
Die Zeitschrift dankte es Fleissner mit dem "Gerhard-Löwenthal-Preis für Publizistik"

Keine Abgrenzungsscheu gegenüber NPD-sympathisierenden Kreisen zeigte Fleissner im April 2008.
Im thüringischen Suhl wurde Fleissner auf dem Jahreskongress der "Gesellschaft für Freie Publizistik" mit der Ulrich-von-Hutten-Medaille ausgezeichnet.
Die Laudatio hielt Gert Sudholt, Ziehsohn von Helmut Sündermann, dem einstigen stellvertretendenden Reichspressechef der NSDAP.
Referent dieses GFP-Kongresses war unter anderem der Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub. Sudholt betonte in seiner Rede, dass Fleissner „mit einer Vielzahl von Autoren und deren aktuellen Büchern mit Leidenschaft“ gegen die 68er „zu Felde“ gezogen sei.
Fleissners „Bekenntnis zur Erlebnisgeneration des Zweiten Weltkrieges“ verdiene „Anerkennung und Würdigung.“
Dieser Artikel ist erschienen in : Ausgabe 01/2010

07. 01. 2010 - Anton Maegerle
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